Interview by Geert Lovink on The Credit Card Book – History and Theory of Digital Payments

crossposting from the MoneyLab blog at the Institute of Network Cultures website; Interview by Geert Lovink, July 7, 2026

The Diners’ Club Credit Identification Card, circa 1953. https://www.dinersclub.com/about-us/history, 2017.

 

German media theorist Sebastian Gießmann has written an accessible book on the history of the credit card. In INC circles he’s known as one the organizers of MoneyLab6, which took place in Siegen in March 2019. As the book was written in German (info here), we conducted the email interview in English so that more could find out about his research. Back in 2016 I did a similar interview with him on his impressive cultural history of networks, which eventually came out in 2024 in English with MIT Press, entitled The Connectivity of Things: Network Cultures since 1832.

With great ease, Gießmann takes the reader through the US industrialization of debt, from the 19th century credit reports that would judge clients on character, capacity and capital to the post-war Diners’ Club card and the invention of the magnetic stripe encoding. The story continues with the rollout of ATMs and the market dominance of Visa and Mastercard. A special chapter is dedicated to Eurocard and the failure of Europe to come up with viable alternatives. It’s interesting to read how the introduction of the chip on the credit card coincided with the rise of online and then smart smartphone payments. This all culminates into the current push for a cashless society with ID provision in online payments and the proposals for the digital Euro (which Sebastian Gießmann spoke about at during the INC Exit Fest session on digital sovereignty).

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Das Kreditkarten-Buch: Geschichte und Theorie des digitalen Bezahlens

Patentzeichnung zur Freischaltung des Smartphones per biometrischer Identi kation des Gesichts. Apple, 2019.

Bar oder mit Karte? Oder doch mit App oder Blockchain? Sebastian Gießmanns rasante Geschichte der Kreditkarte führt uns in die verborgenen Welten des digitalen Bezahlens. Sie zeigt erstmals, wie unsere digitale Gegenwart in Nordamerika mit einer kleinen Plastikkarte begonnen hat, was Magnetstreifen und Chips eigentlich bedeuten und wie Europa einmal führend im digitalen Bezahlen werden konnte. Gießmann führt die Leser:innen elegant in die verschwiegene Innenwelt von Banken, Kreditkartenorganisationen und computerisierter High-Tech-Sicherheit. Er würdigt die Alltäglichkeit der Transaktion ebenso wie die irrwitzigen true crimes des Kreditkartenbetrugs.

Das Kreditkarten-Buch fragt nach der Wahrheit hinter den Werbeslogans, Firmenlogos und Fernsehspots. Wie wir bezahlen, ist politisch. Soziale Teilhabe und Differenz, Konsum, finanzielle Überwachung, die Zukunft des Bargeldes: Im digitalen Bezahlen steht nicht weniger auf dem Spiel als unsere ökonomische Identität.

Erscheint im März 2026 beim famosen Berliner Kulturverlag Kadmos. Eine Leseprobe ist auf der Verlagshomepage einsehbar. Please support your favorite independent publishers and bookstores! Threads zum Buch gibt es auf Mastodon und Bluesky.

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte und Theorie des digitalen Bezahlens (1832−2014)
1.1 The Nothing Card – The Nothing App
1.2 Praktiken und Körper, Objekte und Infrastrukturen
1.3 Welche Geschichte des Bezahlens?

2 »Credit Card Nation«: Die Industrialisierung der Schulden in den USA
2.1 Anschreiben und Aufschieben
2.2 Kreditkarten ohne Plastik – und mit
2.3 Zur Etablierung von Visa und Mastercard

3 Standard und Automat, Zeitung und Fernsehen
3.1 Ein amerikanischer Standard: ANSI X4.13 und der Magnetstreifen
3.2 Am Geldautomaten
3.3 Wie man mit Kreditkarten betrügt
3.4 Werbespot und Fernsehserie

4 Europas Ringen um die Zahlungssysteme
4.1 Papier oder Plastik?
4.2 Der Fall der Eurocard
4.3 Chip um Chip: Smart Cards und EMV als globaler Standard
4.4 Mittelschichtenträume: Globalisierungen der Kreditkarte

5 Digitales Bezahlen im 21. Jahrhundert
5.1 Amazon, PayPal und das World Wide Web
5.2 Das iPhone, Apple Pay und »Network Tokenization«
5.3 Karten-Botschaften und die Zukunft des Bargelds

Am Grund der Zahlung

Congress of the Swiss Sociological Association 2024 Vulnerable Societies

Mein Beitrag fragt im Rahmen des Panels „Digital Payments: Neue Vulnerabilitäten?“ nach – mithin entscheidenden – Umschlagpunkten und Leerstellen in der Medien- und Sozialgeschichte des digitalen Bezahlens. Techno-ökonomische Netzwerke werden, wie Michel Callon (1991) gezeigt hat, im Laufe ihrer Entwicklungsverläufe irreversibel. Mich interessiert diese Produktion von Irreversibilität in den mehrfachen Digitalisierungen des Bezahlens.

Ab wann und für welche Praxisgemeinschaften kann ein Bezahlsystem als universell gelten? Lässt sich diese Universalität verstetigen, oder müssen wir mit immer neuen spezialisierten Infrastrukturen rechnen, die fortwährend neue Tokens (O’Dwyer 2023) produzieren? Wem obliegt die Übersetzung von neuen Formen des Datengelds, und wie wird es mit Plattformökonomien verknüpft? Auf welche Formen von gesellschaftlicher Vulnerabilität antworten die Versicherheitlichungen digitaler Werte? Und welche individuellen Formen von Verletzlichkeit entstehen durch sie?

Einsatzpunkte des Vortrags sind u. a. die Standardisierung der Kreditkarte parallel zur Aufhebung des Goldstandards 1971, die konstitutive Absenz von Bezahlstandards im frühen World Wide Web der 1990er Jahre (und der damit einhergehende Aufstieg von Werbenetzwerkwerken als Geschäftsmodell), der Aufstieg von PayPal aus dem Zusammenbruch der Dotcom-Blase heraus und die Konjunktion des Bitcoins mit der Finanzkrise von 2008.

Konstitutive Veränderungen der Medien des Mediums Geld, so die Annahme, indizieren mehr als ein Ringen um Marktanteile und Zugang zu sozio-ökonomischer Handlungsfähigkeit und Macht. Sie sind Arbeit am sozioökonomischen Gefüge von Gesellschaften weltweit, zu dem man in Anschluss an Bruno Latour (2002: 21) sagen kann: Je mehr Infrastrukturen, je mehr datenintensive Vermittlungen, umso realer – aber auch verletzlicher – wird finanzmediale Wirklichkeit.

Jede Vermittlung zählt. Besonders deutlich wird dies in der biometrischen Zurüstung neueren Datengeldes, das eine massive Personalisierung von Werten durch und mit Körperzeichen vornimmt. In dieser Kombination von Konto, Körper und Person zeigt sich die mediale Dimension von Bezahlsystemen als Klassifikationssystemen, durch die elementare Differenzen von class, race und gender konstituiert und – potenziell – irreversibilisiert werden.

Digital Payments: Neue Vulnerabilitäten?
11. September 2024, 13.15–14.45 Uhr
Raum 02.O.03
FHNW Campus Muttenz / Basel

Mit Beiträgen von Markus Unternährer, Antonia Steigerwald, Tatjana Graf, Carola Westermeier, Marek Jessen und Sebastian Gießmann

  • Callon, Michel. „Techno-Economic Networks and Irreversibility“. In A Sociology of Monsters? Essays on Power, Technology and Domination, herausgegeben von John Law, 132–161. London; New York: Routledge, 1991.
  • Latour, Bruno. „What is Iconoclash. Or is There a World Beyond the Image Wars?“ In Iconoclash. Beyond the Image Wars in Science, Religion and Art, herausgegeben von Bruno Latour und Peter Weibel, 14–37. Karlsruhe; Cambridge, MA; London: ZKM; MIT Press, 2002.
  • O’Dwyer, Rachel. Tokens. The Future of Money in the Age of the Platform. London; New York: Verso, 2023.