Der Durkheim-Test. Anmerkungen zu Susan Leigh Stars Grenzobjekten

In den von Cornelius Borck herausgegebenen „Berichten zur Wissenschaftsgeschichte“ ist dieser Tage ein Text über Susan Leigh Star erschienen, an dem ich lange gearbeitet habe. Und natürlich ist er eigentlich immer noch nicht fertig – aber nun immerhin online auffindbar, insofern freundliche Bibliotheken die Zeitschrift abonniert haben. Hier der Abstract:

The Durkheim Test. Remarks on Susan Leigh Star’s Boundary Objects. The article reconstructs Susan Leigh Star’s conceptual work on the notion of ‘boundary objects’. It traces the emergence of the concept, beginning with her PhD thesis and its publication as Regions of the Mind in 1989. ‘Boundary objects’ attempt to represent the distributed, multifold nature of scientific work and its mediations between different ‘social worlds’. Being addressed to several ‘communities of practice’, the term responded to questions from Distributed Artificial Intelligence in Computer Science, Workplace Studies and Computer Supported Cooperative Work (CSCW), and microhistorical approaches inside the growing Science and Technology Studies. Yet the interdisciplinary character and interpretive flexibility of Star’s invention has rarely been noticed as a conceptual tool for media theory. I therefore propose to reconsider Star’s ‘Durkheim test’ for sociotechnical media practices.

Besonderer Dank gilt den beiden anonymen Reviewern. Herzlichen Dank an Geoffrey Bowker, Adele Clarke, Angela Davis, Les Gasser, Ursula Gießmann, Erhard Schüttpelz, David Sittler, Nadine Taha und alle TeilnehmerInnen des Workshops „The Translation of Boundary Objects“ (Universität Siegen, 7.–8. Mai 2015) für Materialien, Anregungen und Hinweise.

 

Neighborhood Technologies

Noch ist es ganz frisch erschienen, Tobias Harks‘ und Sebastian Vehlkens Buch zu den „Media and Mathematics of Dynamic Networks“. Es dokumentiert die Beiträge des Berliner Blankensee-Kolloquiums aus dem Jahr 2012. Tagung und Band sind konzeptionell gegen eine Trennung von Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaften ausgerichtet – das Konzept der Nachbarschaftstechnologien soll selber interdisziplinäre Nachbarschaften ausloten.

Neighborhood Technologies. Media and Mathematics of Dynamic Networks. Hrsg. v. Tobias Harks und Sebastian Vehlken, Zürich/Berlin 2015.
Neighborhood Technologies. Media and Mathematics of Dynamic Networks. Hrsg. v. Tobias Harks und Sebastian Vehlken, Zürich/Berlin 2015.

Dabei wäre die gemeinsame Sprache zuerst eine mathematische, geprägt von Modellierungen und Simulationen, die Agentenverhältnisse in „kleinen“ Interaktionen mobilisiert. Spiel- und netzwerktheoretische Ansätze aus den „hard sciences“ bilden dafür den Ausgangspunkt. Meinem ersten und sehr vorläufigen Lektüreeindruck nach gehen gerade die kultur- und medienwissenschaftlichen Beiträge des Bandes über diese gemeinsame Basis weit hinaus. Sie widmen sich vielmehr Mikrologiken des Vermittelns in ebenso relationalen wie dynamischen nachbarschaftlichen Verhältnissen. Wie sehr diese die Grenzen der Berechenbarkeit herausfordern – und vielleicht sogar sprengen -, kann man nun in dem mit einem wunderbaren Cover ausgestatteten Buch nachlesen. „Neighborhood Technologies“ weiterlesen