Schritte zu einer Infrastruktur von Ökologie

 

Der Vortrag führt in die praxeologische Infrastrukturforschung ein und fragt anhand der Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz nach ihrer ökologischen Perspektivierung. Wie verhält sich das lokale, situierte Prompting mit großen Sprachmodellen zur konstituierenden Umgebung der hierfür genutzten Medientechnologien? Welche Infrastrukturen tragen (und zerstören) welche Ökologie? Wer etabliert aus welchem politisch-ökonomischen Interesse heraus – mit welchen Medien – KI als lernendes, datenintensives System und naturalisierte Bedingung unseres Handelns?

Im Mittelpunkt meiner Überlegungen steht dabei der Chatbot Claude, samt der Varianten seiner Sprachmodelle. Mit dessen Firma Anthropic ist seit 2021 ein Medienakteur neuen Stils auf die Szene getreten, der aktuell Maßstäbe in Sachen Entwicklungsdynamik, Versicherheitlichung und Ethik von KI setzt. Die laboratorischen Praktiken und Techniken, mit denen Sprachmodellen menschliche Werte eingeschrieben werden sollen (alignment), bedeuten darin einen neuralgischen Punkt: Warum braucht ein Chatbot wie Claude eine „Verfassung“, die als erzieherisches Medium fungiert?

– Ringvorlesung „Infrastrukturen“ –
Johannes Gutenberg Universität Mainz
27. Oktober 2026, 16 Uhr
Hörsaal N6 | NatFak
Johann-Joachim-Becher-Weg 21

Infrastructures and/as Environments: Practices and Ecologies of Circulation

Circulation is what is turning infrastructures into lived ecologies.

I am still wondering how to grapple with the relation of infrastructures and environments in media theory. Praxeology and media ecology do not convergence easily––even if media practices are infrastructural and environmentally situated at the same time. Here’s a first take on the subject, a Berlin keynote lecture that has now become an elegantly edited microform podcast. My gratitude goes to the members of the DFG research training group “Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen” at Humboldt-Universität zu Berlin, and especially Johann Gartlinger and Marie van Bömmel for the smooth editing and moderation.

“Infrastructures and/as Environments: Practices and Ecologies of Circulation”. Lecture by Sebastian Gießmann, in: microform. Der Podcast des Graduiertenkollegs Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen, available at: www.kleine-formen.de/infrastructures-and-as-environments, Berlin 2026 [March 26, 2026].

Netzwerke im Kulturtransfer

Poster Netzwerke im Kulturtransfer

Kulturkontakte und Kulturtransfer finden stets in Netzwerken statt: Sie sind von Beziehungen zwischen einzelnen Vermittler:innenfiguren und vermittelnden Institutionen, von materiellen und konventionellen Handels-, Verkehrs- und Kommunikationswegen, von den transportierten Gegenständen und nomadischen Medien, und von den impliziten Protokollen für jede der einzelnen involvierten Kommunikationen und Kooperationen abhängig. Der in den letzten beiden Jahrzehnten rasante und innovative Fortschritt der Forschung zu Netzwerken in etlichen Disziplinen bietet den Geisteswissenschaften deshalb auch in diesem Bereich neue Herausforderungen und Chancen.

Die zweitägige interdisziplinäre Tagung Netzwerke im Kulturtransfer untersucht Prozesse der kulturellen Vermittlung dezidiert mit dem Blick auf jene Netzwerke, die sie ermöglichen und die von ihnen performiert werden. Es gilt, neue Verfahren und Begriffe zu entwickeln, die dem Fortschritt der Netzwerkforschung Rechnung tragen und zugleich grundlegend zum Verständnis gerade grenzüberschreitender kultureller Netzwerke beitragen – von der qualitativen und quantitativen Netzwerkforschung über Akteur-Netzwerk-Theorie und Akteur-Medien-Theorie bis zu Profilierungen zwischen system- und netzwerkorientierten Ansätzen.

„Netzwerke im Kulturtransfer“ weiterlesen

Grenzobjekte und Medienforschung

Susan Leigh Star: Grenzobjekt und Medienforschung CoverSusan Leigh Stars (1954–2010) Werk bewegt sich zwischen Infrastrukturforschung, Sozialtheorie, Wissenschaftsgeschichte, Ökologie und Feminismus. Die wegweisenden historischen und ethnografischen Texte der US-amerikanischen Technik- und Wissenschaftssoziologin liegen mit diesem Band erstmals gesammelt auf Deutsch vor. Ihre Arbeiten zu Grenzobjekten, Marginalität, Arbeit, Infrastrukturen und Praxisgemeinschaften werden interdisziplinär kommentiert und auf ihre medienwissenschaftliche Produktivität hin befragt.

Mit Kommentaren von Geoffrey C. Bowker, Cora Bender, Ulrike Bergermann, Monika Dommann, Christine Hanke, Bernhard Nett, Jörg Potthast, Gabriele Schabacher, Cornelius Schubert, Erhard Schüttpelz und Jörg Strübing.

„Grenzobjekte und Medienforschung“ ist im Open Access verfügbar.

„Grenzobjekte und Medienforschung“ weiterlesen