Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2017/18

Erstsemestereinführung Medienwissenschaft 2017Im Wintersemester unterrichte ich nach einiger Zeit in der Forschung wieder am Medienwissenschaftlichen Seminar der Universität Siegen. Mit dabei sind zwei Einführungsveranstaltungen, denn ohne Anfänge gibt es keine Zugänge. Die fortgeschritteneren Bachelorstudierenden dürfen sich auf ein Seminar zu „Grenzobjekten und Medienforschung“ freuen, in dem wir intensiv mit den jüngst auf Deutsch erschienenen Schriften Susan Leigh Stars arbeiten werden. Für Masterstudierende gibt es den direkten Kontakt mit der aktuellen, praxistheoretisch ausgerichteten Forschung im SFB „Medien der Kooperation“ — als Einladung, die kooperativen Praktiken (digitaler) Medien zu verstehen und selber Lust am theoretisch-empirisch Neuen zu entwickeln.

  • Einführung in die Medienwissenschaft (7. Gruppe):
    Seminarsplan (PDF) | LSF | Moodle
  • Einführung in die Medienwissenschaft (8. Gruppe):
    Seminarsplan (PDF) | LSF | Moodle
  • Grenzobjekte und Medienforschung:
    Seminarsplan (PDF) | LSF | Moodle
  • Werkstatt Praxistheorie:
    Termine (PDF) | LSF | Homepage/Plakat

PS. Dieser Blogpost wird laufend aktualisiert.

Computing is Work!

Computing is Work! posterWe humans spend most of our waking lives working. Work includes cultural, intellectual, managerial, and emotional labor as well as physical toil. Despite this, most work by humanities and media scholars implicitly treats the study of work as marginal or uninteresting. Even the study of “digital practices” rarely engages with the specifics of the workplace, despite the importance of distributed micro-practices like clickworking. Information technology underpins the transformation of work today, as it has it in the past.

We welcome interdisciplinary contributions that address computing as work practice, both on a local, situated, infrastructural level. Speakers will be exploring many kinds of work, from the work of computerized literary production to the work of scientific research.We believe that close attention to the social processes of work has the cross-cutting potential to integrate a variety of historical, social and ethnographic research approaches, from labor history to the scientific ethnography to the study of media practices as cooperative accomplishments, into a revealing whole.

Computing is Work!
International Conference

July 6–8, 2017

Universität Siegen, Artur-Woll-Haus
Am Eichenhang 50, 57076 Siegen;
Museum für Gegenwartskunst, Siegen

Conveners: Thomas Haigh / Sebastian Giessmann
Keynotes: Matthew Jones, Kjeld Schmidt, Fred Turner, Matthew Kirschenbaum

Program: http://www.socialstudiesof.info/ComputingIsWork.

Supported by the Siegen University iSchool, the Collaborative Research Centre “Media of Cooperation”, Siegen and the Ministry of Innovation, Science and Research North Rhine-Westphalia.

Workarounds – Praktiken des Umwegs

Die vierte Ausgabe von ilinx widmet sich den Praktiken und Kulturtechniken zielführender Umwege. Unter „Workarounds“ verstehen wir temporäre Lösungen eines Problems und Improvisationen, mit deren Hilfe nicht nur Fehler in technischen Systemen korrigiert werden, sondern im weiteren Sinne der soziale Alltag bewältigt wird – angesprochen sind die Ausnahmen von der Regel, die das Gelingen erst ermöglichen. Workarounds umgehen auf räumlicher, zeitlicher und auch institutioneller Ebene die formalisierten und regelgeleiteten Abläufe, sie zeigen neue politische, soziale und ästhetische Wege auf. Indem man auftretenden Schwierigkeiten ausweicht und überraschende Verbindungen schafft, eröffnen sich Handlungsoptionen, während man etwas tut.

 

Cover ilinx4 Workarounds

ilinx – Berliner Beiträge zur Kulturwissenschaft. Nr. 4 : Workarounds
Herausgegeben von Holger Brohm, Sebastian Gießmann, Gabriele Schabacher und Sandra Schramke

Inhaltsverzeichnis und Editorial [PDF]

Gabriele Schabacher, Im Zwischenraum der Lösungen. Reparaturarbeit und Workarounds [xiii]

Florian Hoof, “Speed Metal” – Medien industrieller Produktion und tayloristische Arbeitsorganisation [3]

Kathrin Fehringer, Workaround am eigenen Leib: Prothetik bei Otto Dix und in der französischen Gegenwartsliteratur [23]

David Keller, “A direct Pipeline to the Soul”. Zur Geschichte von Tricks und Täuschungen als epistemisch motivierte Umwege in der sozialpsychologischen Forschung [41]

Nikolaus Lehner, Empfehlungssysteme: Begehrlichkeiten auf Umwegen [57]

Claudy Op den Kamp, Circumvention and the Film Archive: Found Footage, Legal Provenance and the Aesthetics of Access [79]

Ronja Trischler, Trial and Error. Zusammenarbeit im Irrgarten digitaler Bildbearbeitung [93]

Tom Ullrich, Um das „Qualitätskino“ herumarbeiten. Über Umwege und Workarounds des jungen Jean-Luc Godard [117]

Petra Löffler, Zick-Zack. Bruno Latours Umwege [137]

Maren Mayer-Schwieger, Umwege auf See. Zur Pflanzenverschiffung Ende des 18. Jahrhunderts [145]

Fabian Goppelsröder, Aus-/Setzen. Zur Bewegungslogik des Zauderns [157]

Marcus Termeer, Le Parkour: Effektive (Um-)Wege in postfordistischen Stadtlandschaften [165]

N.N., Die gerissene Hutschnur. Bürokratie und Workarounds [173]

Sandra Schramke, Umwege der Ästhetik. Die Architektur von Wang Shu und Lu Wenyu [183]

Susan Leigh Star / Geoffrey C. Bowker, Warum Klassifikationen zählen [193]

Sebastian Gießmann, Klassifizieren und Improvisieren. Ein Kommentar zu Geoffrey C. Bowker und Susan Leigh Star [205]

gedenken, Annette Bitsch (1969–2016) [224]

Mediengeschichte trifft Science and Technology Studies

Die spät festgestellte Nähe von Science and Technology Studies und historischer Medienforschung hat bisher vor allem zu einer vermehrten Aufnahme der STS in medienhistorische Arbeiten geführt (Gitelman 2013; Gillespie, Boczkowski und Foot 2014; Dommann 2014; Hanke 2014; Hoof 2015). Diese greifen wiederum produktiv auf die infrastruktur- und wissenschaftshistorischen „Klassiker“ der STS zurück (Star 1989; Bud-Frierman 1994; Bowker und Star 1999) und zeichnen sich v.a. durch ein gemeinsames Interesse an historisch-ethnografisch analysierten Informationsinfrastrukturen, bürokratischen und dokumentarischen Praktiken aus. Eine vergleichbare, auf Praktiken fokussierende, infrastrukturorientierte Überkreuzung von STS und Medienforschung wird auch im Bereich der History of Computing und History of Networking vermehrt vorgenommen (Schabacher 2013; Thielmann 2013; Starosielski, Soderman und Cheek 2013; Gießmann 2014; Haigh, Russell und Dutton 2015).

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Grenzobjekte, un/sichtbare Arbeit, Kooperation: Zur Kritik soziotechnischer Skripte in der Medienforschung

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Panel zur Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft, „Kritik!“,
FU Berlin, 1. Oktober 2017
10-12 Uhr, Raum A (L 115)

Nadine Taha (Siegen), Sebastian Gießmann (Siegen), Axel Volmar (Montreal/Siegen), Asko Lehmuskallio (Siegen/Tampere)

In seinem Beitrag „Has Critique Run Out of Steam?“ formuliert Bruno Latour ein Plädoyer für eine neue Form von Kritik in den Science and Technology Studies, in der anstelle einer epistemologischen Kritik der Objekte und Fakten eine Kritik der Dinge (im Sinne von Heideggers Bestimmung als „Ver-/Sammlungen“), und ihrer sozialen und politischen „issues“ zentral wird. Susan Leigh Stars Theorie des „Grenzobjekts“, mit der die politische Funktion von Objekten und deren Einbettung in technische Infrastrukturen und soziale Ordnungen herausstellbar ist, ermöglicht in besonderer Weise eine solche Kritik der Dinge. Das Panel nutzt diese Engführung, um der Frage nachzugehen, inwiefern insbesondere Medien als „Dinge“ bzw. Grenzobjekte angesehen werden können und welche Möglichkeiten von Medienkritik sich eröffnen, wenn man Medien im Sinne Stars als Anordnungen auffasst, die Formen der Kooperation ermöglichen und dabei selbst kooperativ verfertigt sind. Diese Sicht auf Medien lenkt den Blick von den Dingen oder Medien selbst auf deren Einbindung in soziale wie technische Protokolle, Klassifikationen, Standards und Infrastrukturen, kurz: auf ihre Einbettung in sichtbare und unsichtbare Arbeit. Continue reading

Vier Thesen zur Plattformgesellschaft (2)

Die vier Thesen zur Plattformgesellschaft, die Michael Seemann und ich zur re:publica 2015 formuliert haben, waren nie statisch gedacht. Also sollen sie fortwährend an die aktuellen medienkulturellen und ökonomischen Gemengelagen angepasst werden. Denn die Diskussion um die Vermittlungsleistungen und den Charakter digitaler Sozialität hat gerade erst begonnnen.

In meinem Siegener Seminar „Was ist eine Plattform?“ im Wintersemester 2015/16 (PDF) standen weniger die historischen Netzwerkeffekte und Plattformökonomien im Vordergrund, um die es uns bei der re:publica ging. Vielmehr ging es um  die neuen und neuesten „sozialen Medien“. Ob des Tempos der Entwicklung sind Plattformen wie Facebook und YouTube dabei schon „alte Medien“, WhatsApp aktueller Mainstream und Snapchat vorläufig das nächste heiße Ding. Durch den Vergleich vieler aktueller Plattformen und ihrer Nutzungspraktiken lässt sich nun eine etwas andere Systematisierung vornehmen, die nach den gemeinsamen Eigenschaften der aktuellen Social-Media-Plattformen fragt – also nach ihrem Charakter als neue Vermittler.

Was also ist eine Plattform, als soziales Medium? Eine Definition könnte folgendermaßen formuliert werden:

  1. Plattformen sind datenintensive Infrastrukturen, auf denen verschiedene soziale Welten unterschiedlicher Akteure zusammentreffen können, aber nicht müssen.
    Ihre infrastrukturelle Veränderung folgt also den verschiedenen Praxisgemeinschaften, die eine Plattform gewissermaßen für sich „erobern“. Filter bubbles und Echokammern existieren neben Interaktionsformen, in denen heterogene Akteure aus verschiedenen sozialen Welten miteinander interagieren. Dabei ist die Vermittlung zwischen unterschiedlichen sozialen Welten ein diffiziler Prozess, der an Missverständnissen, kulturellen Unterschieden und soziotechnischen Störungen scheitern kann.
  2. Plattformen zielen auf die Aggregation von Netzwerkeffekten, indem sie Netzwerkbildungen von vielen Akteuren (many-to-many) einen standardisierten Rahmen geben.
    Dies klingt zwar vergleichsweise geradlinig, ist aber ein komplexer Prozess, da sowohl sich formierende Praxisgemeinschaften und Plattformfunktionalitäten nicht konstant bleiben, sondern wechselseitig verfertigt werden. Twitter ist dafür das beste Beispiel, seiner von der aktivistischen horizontalen Vernetzung zum globalen Nachrichtenmedium verlaufenen Karriere. Der standardisierte Rahmen ist oft Gegenstand von Nutzungskontroversen, die gerade die Modi der Netzwerkbildung beinhalten, wie etwa die mittlerweile eingeführte algorithmische Relevanzfilterung in der Twitter-Timeline zeigt.
  3. Plattformen sind Orte soziotechnischer Kooperation, die Vertrauen, Kontrolle, Bewertung, Klassifikation und Standardisierung miteinander kombinieren. Sie sind infrastrukturelle und öffentliche „Medien der Kooperation“.
    Die normale Kooperationsform auf Social-Media-Plattformen ist die einer „Kooperation ohne Konsens“, wie sie die Techniksoziologin Susan Leigh Star beschrieben hat. Selbst vergleichsweise geschlossene, normativ ähnlich eingestellte und kleine Praxisgemeinschaften können i.d.R. selten einen kompletten Konsens über ihre Vorgehensweise erzielen. Gemeinsames kooperatives Handeln wird deshalb zuallermeist über gemeinsam genutzte Werkzeuge – in diesem Fall die Plattformfunktionalitäten und andere Software – organisiert. Selten gibt es hierfür die ideale Lösung, vielmehr ist  auch die Interaktion in Social Media durch eine „Struktur schlecht strukturierter Lösungen“ (Star) gekennzeichnet, die für Vertrauensbildung, Kontrolle, Bewertung und Klassifikation genutzt werden.
  4. Plattformen entwickeln eine regulative Kraft auf die durch sie vernetzten Akteure, werden aber durch deren Nutzungspraktiken fortwährend transformiert. Teilweise versuchen sie, den Charakter neuer Institutionen anzunehmen.
    Was in der Forschung oft als globale „Plattformpolitik“ diskutiert und v.a. anhand der Terms of Service problematisiert wird, ist in der alltäglichen Interaktion mit sozialen Medien eine deutlich komplexere Angelegenheit. Die Ko-Konstitution von Medienpraktiken und datenintensiver Infrastruktur lässt sich nicht als statisches Diagramm zeichnen. Jedoch setzen gerade die großen, quasi-monopolistisch agierenden Plattformen sehr gezielt globale Kooperationsbedingungen. Diese sind aber nicht der Ort eines neuen, politisch und v.a. ökonomisch bezifferbaren Mediendeterminismus. Vielmehr bleibt es eine medientheoretische Aufgabe, den nur stabil erscheinenden, vorläufigen Status der neuen Medienagenturen zu bestimmen, mitsamt ihres Anspruchs als Ort der neuen Öffentlichkeiten.

Denn der aktuelle Strukturwandel der (privatisierten) Öffentlichkeiten ist mitnichten abgeschlossen, und kann sogar in’s gemeinschaftliche Web 0.0 zurückführen, wie ein gleichnamiges Projekt des italienischen Street-Art-Künstlers Biancoshock zeigt:

Fluctuating Networks, Un/stable Platforms, and the Internet of Things

So here is what I wrote as an abstract for a talk on April 14, 2015. It was hosted by the fabulous Digital Cultures Research Lab and took place at the Stadtarchiv of Lüneburg.

My talk is go­ing to pre­sent some preli­mi­na­ry thoughts on the no­ti­on of “boun­da­ry ob­jects” in di­gi­tal in­fra­struc­tu­res. I am going to reconsider the relation “networks” and “platforms” from a network historical and STS point of view. The “Internet of Things” is actually fairly old, if confronted with earlier special purpose digital networks. But how may we speculate already on its remediating qualities in terms of new objecthood, networked agencies, and platform regulations?

I always wanted to refurbish the slides which I had written with the LaTeX beamer class for a change. But now we have got  the audiovisual documentary – splendid. Huge thanks to all the great people at DCRL! (And I still have to rework the slides at some point).

DCRLecture: Sebastian Gießmann – Fluctuating Networks, Un/stable Platforms, And the Internet of Things from Centre for Digital Cultures on Vimeo.

Der Durkheim-Test. Anmerkungen zu Susan Leigh Stars Grenzobjekten

In den von Cornelius Borck herausgegebenen „Berichten zur Wissenschaftsgeschichte“ ist dieser Tage ein Text über Susan Leigh Star erschienen, an dem ich lange gearbeitet habe. Und natürlich ist er eigentlich immer noch nicht fertig – aber nun immerhin online auffindbar, insofern freundliche Bibliotheken die Zeitschrift abonniert haben. Hier der Abstract:

The Durkheim Test. Remarks on Susan Leigh Star’s Boundary Objects. The article reconstructs Susan Leigh Star’s conceptual work on the notion of ‘boundary objects’. It traces the emergence of the concept, beginning with her PhD thesis and its publication as Regions of the Mind in 1989. ‘Boundary objects’ attempt to represent the distributed, multifold nature of scientific work and its mediations between different ‘social worlds’. Being addressed to several ‘communities of practice’, the term responded to questions from Distributed Artificial Intelligence in Computer Science, Workplace Studies and Computer Supported Cooperative Work (CSCW), and microhistorical approaches inside the growing Science and Technology Studies. Yet the interdisciplinary character and interpretive flexibility of Star’s invention has rarely been noticed as a conceptual tool for media theory. I therefore propose to reconsider Star’s ‘Durkheim test’ for sociotechnical media practices.

Besonderer Dank gilt den beiden anonymen Reviewern. Herzlichen Dank an Geoffrey Bowker, Adele Clarke, Angela Davis, Les Gasser, Ursula Gießmann, Erhard Schüttpelz, David Sittler, Nadine Taha und alle TeilnehmerInnen des Workshops „The Translation of Boundary Objects“ (Universität Siegen, 7.–8. Mai 2015) für Materialien, Anregungen und Hinweise.

 

Navigationen – Medien der Kooperation

Cover Medien der KooperationIn den letzten Wochen gab es noch den Feinschliff, nun liegt die aktuelle Ausgabe der Siegener Navigationen gedruckt vor. Das von Matthias Schäfer gestaltete Cover zeigt nicht nur die Grafiken, mit denen die Techniksoziologin Susan Leigh Star ihr Konzept der „Grenzobjekte“ erstmals gegenüber Informatikern erläuterte. Auf der Rückseite haben wir noch einen kleinen heutigen Einblick in diejenige Institution versteckt, der die berühmte historische Fallstudie Stars und James Griesemers gegolten hat – das Museum of Vertebrate Zoology der University of Berkeley.

[Update 9.7.2015: Mittlerweile ist der Volltext der Ausgabe als PDF auf dem Siegener OPUS-Publikationsserver verfügbar.]

Worum geht es in dem Heft, das eine von David Sittler besorgte deutsche Erstübersetzung von Susan Leigh Stars „The Structure of Ill-Structured Solutions“ bietet?

Die digital-vernetzten Medien erfordern neue Analysen, Theorien und
Geschichten. Sie verändern unseren Blick auf die Geschichte von
Infrastrukturen, Öffentlichkeiten und Medienpraktiken. Was wären Ansätze
für eine Medientheorie, die praktischen „skills“ des Mediengebrauchs,
seiner soziotechnischen Materialität und den bürokratischen wie
epistemischen Qualitäten der Medien gerecht wird? Die vorliegende
Ausgabe 1/2015 der Navigationen widmet sich Medien als kooperativ
bewerkstelligten Kooperationsbedingungen. Sie erbringen, so die These,
konstitutive Vermittlungsleistungen zwischen der Organisation von
Arbeit, Praktiken des Infrastrukturierens und der Genese von
Öffentlichkeiten in wechselseitiger Interaktion.

u.a. mit Beiträgen von Erhard Schüttpelz, Sebastian Gießmann, Susan
Leigh Star, Heinrich Bosse und Kjeld Schmidt.

Hrsg. von der AG „Medien der Kooperation
Erhältlich beim Siegener Universitätsverlag universi.

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Netzwerk und Plattform

Dieser Tage habe ich mit Michael Seemann intensiv diskutiert – über das, was eigentlich aus Manuel Castells‘ Begriff der Netzwerkgesellschaft geworden ist. Erst hieß unser Leitmotto „Netzwerkgesellschaft revisited“, aber im Laufe der Facebook-Chats und Etherpad-Sessions stellte sich heraus, das „Von der Netzwerkgesellschaft zur Plattformgesellschaft“ der viel bessere Arbeitstitel ist. Denn um Plattformen als neue Akteure geht es in Michaels Buch „Das neue Spiel„, aber auch in meiner aktuellen Forschung liegt der Schwerpunkt auf der Frage der „platformativity“ (Joss Hands), und auf ihrer Rolle die Nutzungspraktiken auf, mit und durch digital-vernetzte Plattformen.

Uns interessiert aber nicht nur der aktuelle „Plattformkapitalismus“ – den ich historisch anhand einer Mediengeschichte der Kreditkarte und ihrer „zweiseitigen Plattformmärkte“ aufarbeiten will -, sondern vor allem die besonderen und neuen Bedingungen, die mit Plattformen als medialer Umgebung einhergehen. Also kein Quasi-Monopolistenbashing im aktuellen Internet, sondern die sozialen, kulturellen und politischen Transformationen, die „Plattformen“ als Kooperationsbedingungen darstellen. Offenbar lassen wir uns nur allzu gern auf „platformativity“ ein, auch als eine Stabilisierungs- und Übersetzungsoption sozialer Beziehungen. Neue, disruptive Effekte mit einbegriffen (siehe Uber und AirBnB). Michael hat das in einem Blogeintrag mal mit der aktuell brennenden Frage der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zusammengebracht – mit der Ahnung „Neuer Cryptowars“ und der „Plattformdämmerung“, die für überwachungsstaatliche Akteure eintreten kann, wenn populäre Apps Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für breite Nutzerschichten zur Verfügung stellen.

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