Medienpraktiken der Koordination, Delegation und Registrierung/Identifizierung*

Wie könnte eine Neuperspektivierung der Mediengeschichte und Medienanalyse aussehen, die Praxis allen anderen Größen vorlagert und deshalb vor allem Produktions- und Arbeitsprozesse, und damit auch die Modi bürokratischer Datenverarbeitung als „visible“ und „invisible work“ in den Vordergrund rückt (Star 1999)? Diese „Rückseite“ der Medien ist durch die langjährige analytische Trennung von Produktions-, Distributions- und Rezeptionsvorgängen in der deutschsprachigen Medienwissenschaft i. d. R. vernachlässigt worden – oft zugunsten eines Schwerpunkts auf Rezeptionsfragen, der wiederum selten praxeologisch fundiert wurde. Ein dreizügiges begriffliches Angebot, mit dem die kulturtechnischen Basisfunktionen des speicherprogrammierten Computers – also das „Speichern“, „Bearbeiten“ und „Übertragen“ (Kittler 1986) – auf eine wesentlich heterogenere Welt digital vernetzter Medien übertragen worden sind, bietet für eine durch digitale Medieninteraktion geprägte Welt keinen adäquaten Rahmen mehr. Vielmehr hat sich mittlerweile die Erkenntnis der Akteur-Netzwerk-Theorie durchgesetzt, dass Akteure Skalierungsleistungen selber erbringen, deren Maßstabswechsel wiederum zu berücksichtigen sind (Latour 2007; Ribes 2014). Continue reading

Navigationen – Medien der Kooperation

Cover Medien der KooperationIn den letzten Wochen gab es noch den Feinschliff, nun liegt die aktuelle Ausgabe der Siegener Navigationen gedruckt vor. Das von Matthias Schäfer gestaltete Cover zeigt nicht nur die Grafiken, mit denen die Techniksoziologin Susan Leigh Star ihr Konzept der „Grenzobjekte“ erstmals gegenüber Informatikern erläuterte. Auf der Rückseite haben wir noch einen kleinen heutigen Einblick in diejenige Institution versteckt, der die berühmte historische Fallstudie Stars und James Griesemers gegolten hat – das Museum of Vertebrate Zoology der University of Berkeley.

[Update 9.7.2015: Mittlerweile ist der Volltext der Ausgabe als PDF auf dem Siegener OPUS-Publikationsserver verfügbar.]

Worum geht es in dem Heft, das eine von David Sittler besorgte deutsche Erstübersetzung von Susan Leigh Stars „The Structure of Ill-Structured Solutions“ bietet?

Die digital-vernetzten Medien erfordern neue Analysen, Theorien und
Geschichten. Sie verändern unseren Blick auf die Geschichte von
Infrastrukturen, Öffentlichkeiten und Medienpraktiken. Was wären Ansätze
für eine Medientheorie, die praktischen „skills“ des Mediengebrauchs,
seiner soziotechnischen Materialität und den bürokratischen wie
epistemischen Qualitäten der Medien gerecht wird? Die vorliegende
Ausgabe 1/2015 der Navigationen widmet sich Medien als kooperativ
bewerkstelligten Kooperationsbedingungen. Sie erbringen, so die These,
konstitutive Vermittlungsleistungen zwischen der Organisation von
Arbeit, Praktiken des Infrastrukturierens und der Genese von
Öffentlichkeiten in wechselseitiger Interaktion.

u.a. mit Beiträgen von Erhard Schüttpelz, Sebastian Gießmann, Susan
Leigh Star, Heinrich Bosse und Kjeld Schmidt.

Hrsg. von der AG „Medien der Kooperation
Erhältlich beim Siegener Universitätsverlag universi.

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