Zweite Auflage der „Verbundenheit der Dinge“

Es hat eine Weile gedauert, bis das Buch wieder verfügbar war. Aber nun ist sie da, die zweite, durchgesehene Auflage der „Verbundenheit der Dinge“. Sie ist in der Paperback-Fassung etwas leichter und preisgünstiger geworden. Ich mag beide Formate!

Wolfram Burkhardt vom Kadmos-Verlag hat ganze Arbeit geleistet, Jörn Adler die meisten Satzfehler gefunden, Steffen Siegel und Fabian Steinhauer haben Details angemerkt, die nun – wie ein sachlicher Fehler in den Bemerkungen zur mesopotamischen Geierstele von Lagaš, – korrigiert sind. Inhaltsverzeichnis und Einleitung stehen nach wie vor hier online.

Zweite Auflage der Verbundenheit der DingeNachdem die zweite Auflage schon im Mai 2015 besprochen war, sind einige Rezensionen herausgekommen, deren Nachfragen ich gerne aufgegriffen hätte. Dass das „Internet der Dinge“ und auch Facebook und Twitter hier noch nicht vorkommen, ist dem historischen Zugriff geschuldet, der nicht vorschnell aktualisiert. Mittlerweile hätte das Buch ein Kapitel dazu verdient, aber zu Beginn des Projekts im Jahr 2006 war die Welt der neuen Sensorennetzwerke in Big-Data-Verwendungen ebenso wenig absehbar wie die neuen Öffentlichkeiten der „Social Media“. Zu beiden Dingen forsche ich ja weiter – sie erfordern auch andere Zugriffe, als sie eine Kulturtechnikforschung leisten kann. Die Antworten auf die Rezensionen erfolgen im Web, in Interviews (hier und hier) und in dem ein oder anderen Artikel oder Vortrag. Die nächste Buchvorstellung findet am 14. Dezember, 20 Uhr im Leipziger Thomasius-Club statt.

Kleine Theologie des Netzes

Zum Jahrestreffen des Cusanuswerks, das sich 2016 „Netzwerke“ als Titel gegeben hat, durfte ich einen Vortrag beisteuern. Die Präsentation führte noch einmal durch die verschiedenen Schichten der Netzwerkgeschichte: vom textilen Objekt, über die Theologie des Netzes, retikulare Objekte, Infrastrukturen, soziale Netzwerke zu den aktuellen komplexen Netzwerken. Prämisse war dabei: Wir haben unsere Netzwerke, aber unsere Netzwerke verstricken uns auch. Und es gibt kein Netzwerk ohne Objekte und wechselseitige Gaben und Nicht-Gaben. Die ambivalente Qualität des Netzes, und speziell des Fischernetzes, hat das Christentum mit dem Neuen Testament erkannt und fortan gelebt.

Das Programmheft notiert:
„Die globalisierte Gegenwart hat das Netzwerken ohne Zweifel in einen hektischen Dauerzustand verwandelt. Gerade in den digitalen sozialen Netzwerken zählt der Augenblick, oft zum Preis einer Ersetzung der Vergangenheit – aber auch der Zukunft – durch ein getriebenes permanentes Jetzt. Negative Dynamiken und Überwachungsdystopien können sich ebenso schnell verdichten und beschleunigen wie positive Momente sozialer Verbundenheit. Bei der Beschäftigung mit der Geschichte der Netze der Netzwerke gewinnt man immer mehr den Eindruck, dass andere Kulturen als die gegenwärtige durchaus besser verstanden haben, wie ambivalent sozialer Zusammenhalt im Zeichen des Netzes ist.

Mein Vortrag folgt deshalb der kulturhistorischen und theologischen Dimension dieses Alltagsgegenstands, der von der Antike bis in den Barock gerade aufgrund seines zugleich verstrickenden und verbindenden Charakters zur kollektiven Sinnstiftung beitragen konnte: „Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.“ (Matthäus 13,47-48)“